Praxiswissen · B2B Kaufprozess
Der Favorit steht oft vor dem ersten Sales Call fest
B2B Käufer kommen heute selten als unbeschriebenes Blatt in das erste Gespräch. Sie haben recherchiert, Anforderungen gesammelt, Anbieter verglichen und häufig bereits eine Shortlist priorisiert. KI beschleunigt diese Vorauswahl. Für Sales beginnt der Kaufprozess deshalb oft lange vor der ersten sichtbaren Opportunity.
Kurzantwort
Der erste Sales Call startet nicht mehr bei null
Wenn ein potenzieller Kunde ein Erstgespräch bucht, hat sein Kaufprozess meist schon begonnen. Das Team hat ein Problem diskutiert, Kriterien formuliert, Alternativen angesehen oder Erfahrungen aus dem eigenen Netzwerk eingeholt. KI kann diese Schritte heute schneller und mit weniger Aufwand unterstützen.
Daraus folgt nicht, dass Verkäufer im ersten Gespräch nichts mehr beeinflussen können. Eine Shortlist ist noch keine Entscheidung. Ein Favorit kann auf falschen Annahmen beruhen. Anforderungen können unvollständig sein. Und eine fachlich attraktive Lösung kann später an Finance, IT, Security, Procurement oder fehlender interner Akzeptanz scheitern.
Die Aufgabe von Sales verschiebt sich deshalb. Weniger Grundlagen vorlesen. Mehr verstehen, wie die Vorauswahl entstanden ist, welche Risiken noch offen sind und welche Beweise das Buying Committee für eine belastbare Entscheidung benötigt.
KI beseitigt Informationsknappheit. Sie beseitigt nicht das Entscheidungsrisiko.
Perspektivwechsel
Sales Funnel und Buyer Journey sind nicht dasselbe
Im CRM beginnt ein Deal häufig mit einem Lead, einer Kontaktanfrage oder einem vereinbarten Termin. Aus Sicht des Verkäufers ist das der Startpunkt. Aus Sicht des Kunden kann es bereits die Mitte oder sogar der spätere Teil einer längeren Reise sein.
Der Sales Funnel beschreibt, was der Anbieter sehen und steuern kann. Die Buyer Journey beschreibt, was auf Kundenseite tatsächlich passiert. Dazu gehören interne Diskussionen, Suchanfragen, Gespräche mit Kollegen, Review Portale, Fachbeiträge, Podcasts, Empfehlungen und inzwischen auch Antworten aus KI Systemen.
Ein großer Teil dieser Aktivität bleibt für den Anbieter unsichtbar. Häufig wird dafür der Begriff Dark Funnel genutzt. Dunkel ist dieser Teil nicht, weil der Kunde etwas verbergen möchte. Er ist dunkel, weil die Recherche außerhalb der eigenen Systeme stattfindet.
Das erklärt, warum eine scheinbar offene Discovery bereits von Vorannahmen geprägt sein kann. Der Kunde hat vielleicht schon entschieden, dass eine bestimmte Funktion unverzichtbar ist. Er hat zwei Anbieter ausgeschlossen. Oder ein Kollege hat eine Lösung empfohlen, die nun nur noch fachlich bestätigt werden soll.
Wer im Erstgespräch so tut, als beginne die Reise gerade erst, wiederholt Informationen, die der Kunde längst kennt. Wer dagegen sofort von einer unveränderbaren Vorentscheidung ausgeht, gibt Einfluss unnötig auf. Die bessere Haltung lautet: Es gibt eine Vorgeschichte. Ich muss sie verstehen.
Aus meiner Vertriebspraxis
Vom kleinen SaaS Team zum komplexen Enterprise Prozess
Ich habe beide Seiten dieser Veränderung erlebt. In einem kleinen SaaS Vertrieb war ich in einem dreiköpfigen Team am gesamten Sales Cycle beteiligt. Dazu gehörten Kaltakquise, Qualifizierung, Discovery, Produktdemo, Testphase, Onboarding und Vertragsabschluss.
In solchen Prozessen konnte ein gutes erstes Gespräch noch einen großen Teil der Orientierung schaffen. Der Interessent hatte häufig ein konkretes Alltagsproblem, aber noch keine ausgearbeitete Beschaffungslogik. Sales konnte das Problem strukturieren, die Lösung einordnen und den nächsten Schritt direkt mitgestalten.
In komplexeren LegalTech Verkaufsprozessen ist die Ausgangslage häufig eine andere. Rechtsabteilung, Compliance, IT, Einkauf und Management bringen eigene Anforderungen mit. Vor einer Entscheidung können Discovery, Produktdemos, ein Proof of Value, Sicherheitsprüfungen, ein Business Case, ein RFP und mehrere interne Freigaben liegen.
Das erste Gespräch beginnt dann nicht mit einer leeren Anforderungsliste. Der Kunde hat oft bereits einen Entwurf davon, was er sucht. Vielleicht existiert eine vorläufige Shortlist. Vielleicht wurde ein Budgetrahmen diskutiert. Und vielleicht versucht der erste Ansprechpartner vor allem zu prüfen, ob der favorisierte Anbieter die interne Erwartung erfüllt.
Der Unterschied ist nicht nur der Preis. Es ist die Zahl der Beteiligten, die Verteilung von Risiko und die Frage, wer eine Entscheidung intern vertreten muss. Je komplexer der Kauf, desto weniger reicht es, eine einzelne Person von einer Funktion zu überzeugen.
Das ist meine beobachtete Lernkurve aus unterschiedlichen Vertriebsrollen. Sie ersetzt keine allgemeine Marktstatistik. Sie hilft aber, die Studien im nächsten Abschnitt praktisch einzuordnen.
Aktuelle Buyer Research
Was fünf Untersuchungen tatsächlich zeigen
Die These vom bereits informierten Käufer ist nicht neu. Die aktuellen Daten zeigen jedoch genauer, wie stark Vorauswahl, KI Recherche und interne Validierung inzwischen zusammenhängen. Wichtig ist, die Stichproben nicht als universelle Naturgesetze zu behandeln.
G2: KI wirkt bereits auf die Software Shortlist
Der G2 Buyer Behavior Report 2026 basiert auf mehr als 1.000 B2B Softwarekäufern sowie zusätzlichen Interviews mit 55 Verantwortlichen aus Marketing und Go to Market. Acht von zehn Befragten hatten in den vorausgegangenen 24 Monaten KI Chatbots für Softwareempfehlungen genutzt. Bei diesen Käufern lag der größte Einfluss der KI häufig in Shortlisting und Evaluation. Gleichzeitig berichteten 49 Prozent, dass ein CFO eine bereits intern genehmigte Softwarebeschaffung wieder gestoppt hatte.
6sense: Die Shortlist ist vor dem Kontakt oft sortiert
Im globalen Buyer Experience Report 2025 gaben 94 Prozent der Buying Groups an, ihre Shortlist vor dem Kontakt mit Sales bereits nach Präferenz geordnet zu haben. In der Hauptstichprobe mit 3.744 Käufern war der zuerst kontaktierte Anbieter in 77 Prozent der Fälle auch der spätere Gewinner. Das bedeutet nicht, dass Gespräche wirkungslos sind. Etwas mehr als 20 Prozent änderten ihre Präferenz nach dem Kontakt.
6sense Europa: Das Muster zeigt sich auch im DACH Umfeld
Die europäische Untersuchung umfasste 674 Käufer, darunter 108 aus Deutschland. Der erste direkte Kontakt lag im Mittel bei 67,7 Prozent der Buyer Journey. In 78,5 Prozent der Fälle gewann der Anbieter an der Spitze der Shortlist. Die Einordnung ist entscheidend: Die untersuchten Käufe lagen im europäischen Durchschnitt zwischen 200.001 und 300.000 US Dollar pro Jahr. Für kleine SaaS Deals dürfen diese Werte nicht einfach übernommen werden.
Gartner: Käufer wollen Selbstservice und menschliche Validierung
Gartner befragte 645 B2B Käufer. 45 Prozent hatten GenAI bei einem jüngeren Kauf genutzt. 69 Prozent wollten KI generierte Erkenntnisse mit einem Verkäufer validieren. Gleichzeitig bevorzugten 67 Prozent ein Erlebnis ohne Verkäufer und 70 Prozent einen vollständig digitalen Selbstservice. Der scheinbare Widerspruch ist aufschlussreich: Käufer möchten selbstständig recherchieren und bei kritischen Entscheidungen gezielt menschliche Unterstützung erhalten.
TrustRadius: KI Antworten werden geprüft, nicht nur übernommen
TrustRadius wertete 2025 vollständige Antworten von 2.058 Technologiekäufern und 490 Anbietern aus. 72 Prozent der Käufer waren bereits auf Googles AI Overviews gestoßen. 90 Prozent der Befragten klickten auf dort genannte Quellen, um Aussagen zu prüfen. Die neue Recherche ist damit schneller, aber nicht automatisch vertrauensvoller. Sichtbarkeit, belastbare Quellen und unabhängige Belege bleiben wichtig.
Zusammen zeigen die Untersuchungen kein Ende des Vertriebs. Sie zeigen eine Verschiebung. Der Käufer möchte die frühe Orientierung zunehmend selbst übernehmen. Sales wird dort wichtig, wo Informationen geprüft, Risiken eingeordnet und interne Entscheidungen vorbereitet werden.
Neue Vorauswahl
Wie KI Recherche und Shortlists verändert
Früher musste ein Käufer mehrere Websites öffnen, Berichte vergleichen und eine erste Anbieterliste manuell erstellen. Heute kann eine einzige Anfrage an ein KI System bereits Kategorien, Anbieter, Auswahlkriterien, Vor und Nachteile und mögliche Fragen für eine Demo zusammenfassen.
Das senkt den Aufwand für die erste Orientierung. Gleichzeitig verschiebt es den Wettbewerb um Aufmerksamkeit. Ein Anbieter, der in der KI Antwort nicht vorkommt, erfährt möglicherweise nie, dass ein potenzieller Kunde gerade nach seiner Kategorie gesucht hat.
Für Anbieter entsteht daraus eine neue Aufgabe. Die eigene Positionierung muss nicht nur für Menschen verständlich sein. Produktinformationen, Anwendungsfälle, Referenzen, Sicherheitsangaben und Vergleichsinhalte müssen öffentlich auffindbar, aktuell und eindeutig genug sein, damit Suchsysteme sie korrekt einordnen können.
Trotzdem darf eine KI Antwort nicht mit einer objektiven Marktanalyse verwechselt werden. Sie kann veraltete Informationen verwenden, wichtige Nischenanbieter übersehen oder bekannte Marken bevorzugt darstellen, weil über sie mehr öffentliches Material existiert. Genau deshalb ist die Beobachtung von TrustRadius relevant: Viele Käufer nutzen KI, prüfen aber anschließend die Quellen.
Für Sales bedeutet das: Der Kunde kommt möglicherweise mit mehr Information, aber nicht automatisch mit einer besseren Entscheidung. Die Discovery muss nicht bei den Grundlagen beginnen. Sie sollte prüfen, wie belastbar die bereits entstandenen Kriterien wirklich sind.
Die neue Konkurrenz im ersten Sales Call ist nicht nur ein anderer Anbieter. Es ist auch die bereits entstandene Erklärung des Marktes im Kopf des Buying Committees.
Discovery neu gedacht
Die neue Aufgabe des ersten Sales Calls
Ein generischer Fragenkatalog ignoriert die Vorgeschichte des Kunden. Ein sofortiger Pitch tut dasselbe. Der bessere Einstieg besteht darin, zuerst den bisherigen Auswahlprozess sichtbar zu machen.
Dabei geht es nicht darum, den Kunden zu verhören. Es geht um eine gemeinsame Standortbestimmung. Welche Kriterien stehen bereits fest? Wer hat sie eingebracht? Welche Alternativen wurden geprüft? Und an welchem Punkt herrscht intern noch echte Unsicherheit?
Diese Fragen helfen auch zu unterscheiden, ob der Kaufprozess noch offen ist oder ob ein Anbieter lediglich zum Vergleich eingeladen wurde. Beides kann eine sinnvolle Opportunity sein. Die Vertriebsstrategie ist aber nicht dieselbe.
- Vorgeschichte
Verstehen, wodurch das Thema ausgelöst wurde und wie der Kunde auf die aktuelle Auswahl gekommen ist.
- Kriterien
Prüfen, welche Anforderungen bestätigt sind und welche nur aus Recherche, Marktvergleich oder interner Annahme stammen.
- Präferenz
Erkennen, ob bereits ein Favorit existiert und welche Belege diese Position stützen.
- Risiko
Sichtbar machen, woran die Entscheidung fachlich, technisch, wirtschaftlich oder organisatorisch noch scheitern könnte.
- Validierung
Einen nächsten Schritt vereinbaren, der eine offene Entscheidung wirklich prüft und nicht nur weitere Anbieteraktivität erzeugt.
Das passt zu der Rolle, die Gartner in seiner Untersuchung beschreibt. Verkäufer werden weniger als einzige Informationsquelle benötigt. Sie können aber dort Wert schaffen, wo KI Aussagen validiert, Zusammenhänge auf den konkreten Kunden übertragen und Unsicherheit reduziert werden muss.
Genau hier trennt sich ein guter Sales Call von einer Produktpräsentation. Der Verkäufer liefert nicht einfach mehr Information. Er hilft dem Kunden zu erkennen, welche Information für seine Entscheidung tatsächlich fehlt.
Mehrere Entscheidungslogiken
Was die einzelnen Stakeholder wirklich brauchen
Ein Buying Committee ist keine Kontaktliste. Es ist ein System aus unterschiedlichen Interessen, Risiken und Entscheidungskriterien. Die genaue Rollenverteilung unterscheidet sich von Unternehmen zu Unternehmen. Im komplexen SaaS Vertrieb begegnen jedoch häufig fünf Perspektiven.
FachbereichPasst die Lösung zum Arbeitsablauf? Verbessert sie ein relevantes Ergebnis und akzeptieren die Anwender die Veränderung?
IT und SecurityLässt sich die Lösung integrieren, sicher betreiben und mit den bestehenden technischen Vorgaben vereinbaren?
FinanceIst der Nutzen wirtschaftlich nachvollziehbar? Sind Kosten, Skalierung, Vertragsdauer und erwarteter Return vertretbar?
Legal und ProcurementSind Datenschutz, Vertrag, Haftung, Beschaffungsprozess und kommerzielle Bedingungen freigabefähig?
ManagementPasst die Investition zur Priorität des Unternehmens und ist das Risiko einer Entscheidung geringer als das Risiko des Nichtstuns?
Eine überzeugende Demo beantwortet diese Fragen nicht automatisch. Sie kann den Fachbereich begeistern und Finance trotzdem ohne belastbaren Business Case zurücklassen. Sie kann technisch überzeugen und an fehlender Einführungskapazität scheitern.
Deshalb genügt es nicht, zu fragen, wer beteiligt ist. Sales muss verstehen, welches Risiko jede Rolle sieht, wie diese Risiken miteinander verbunden sind und wer eine offene Frage intern auflösen kann.
Wenn ein Deal nach einer guten Demo stehen bleibt, liegt die Ursache häufig genau dort. Der Artikel Warum SaaS Deals nach einer guten Demo trotzdem stehen bleiben zeigt die typischen Signale dafür im Detail.
Interne Kaufhilfe
Ein Champion braucht Material, das intern funktioniert
Der direkte Ansprechpartner führt den Kaufprozess selten allein. Nach dem Sales Call muss er die Lösung häufig gegenüber Kollegen erklären, Fragen beantworten und die nächste Freigabe vorbereiten. Damit beginnt ein zweiter Verkauf, bei dem der Anbieter meist nicht im Raum ist.
Buyer Enablement bedeutet, diesen internen Prozess zu erleichtern. Es geht nicht darum, nach jedem Termin möglichst viele Präsentationen zu versenden. Es geht um die wenigen Unterlagen, die das Buying Committee für den nächsten echten Entscheidungsschritt benötigt.
- Eine kurze Executive Summary mit Problem, Zielbild und begründeter Empfehlung.
- Ein nachvollziehbarer Business Case mit transparenten Annahmen, Kosten und erwarteter Wirkung.
- Relevante Kundenbeispiele, die Branche, Prozess oder Risiko des konkreten Käufers möglichst gut abbilden.
- Sicherheits, Datenschutz und Integrationsunterlagen, bevor die zuständigen Prüfer danach fragen müssen.
- Ein realistischer Implementierungsplan mit Verantwortlichen, Aufwand, Abhängigkeiten und frühem Nutzen.
- Eine klare Gegenüberstellung von Handeln und Nichtstun, ohne künstlich dramatisierte ROI Versprechen.
Gute Kaufhilfe macht eine Entscheidung leichter prüfbar. Sie versteckt keine Unsicherheit, sondern benennt sie. Gerade bei KI Funktionen wird das wichtiger. G2 berichtet, dass 87 Prozent der befragten Softwarekäufer einen Anbieter mit transparenter Erklärung zu Datennutzung und Modelltraining gegenüber einer günstigeren Blackbox bevorzugen würden.
Der Champion sollte die Value Story nicht selbst aus einzelnen Produktfolien zusammensetzen müssen. Gleichzeitig darf Sales ihm keine fertige Geschichte überstülpen, die intern nicht glaubwürdig ist. Die stärkste Entscheidungsvorlage entsteht gemeinsam mit dem Käufer und verwendet seine Sprache, seine Annahmen und seine Belege.
Für den nächsten Termin
Fünf Fragen, die den wirklichen Kaufprozess öffnen
Diese Fragen sind kein starres Skript. Sie helfen, die bereits entstandene Vorauswahl zu verstehen und offene Entscheidungsarbeit sichtbar zu machen.
- Wie seid ihr auf das Thema und diese Auswahl gekommen?
Die Antwort zeigt Auslöser, Informationsquellen und die bisherige Logik der Shortlist.
- Welche Entscheidungskriterien stehen bereits fest?
So wird sichtbar, was bestätigt ist und wo eine Annahme noch hinterfragt werden kann.
- Welche Alternativen wurden schon geprüft?
Das ordnet Wettbewerb, Status quo und mögliche interne Lösung gleichwertig ein.
- Wer sieht aktuell welches Risiko?
Die Frage verbindet Stakeholder mit konkreten Blockaden, statt nur Rollen im Organigramm zu sammeln.
- Was müsste belegt sein, damit eine Entscheidung fallen kann?
Daraus lässt sich ein nächster Schritt ableiten, der Validierung erzeugt und nicht nur Kalenderaktivität.
Ist der Kaufprozess wirklich offen?
- Wir wissen, warum das Thema jetzt auf der Agenda steht.
- Wir kennen die Herkunft der wichtigsten Auswahlkriterien.
- Wir wissen, ob und warum bereits ein Anbieter favorisiert wird.
- Wir trennen bestätigte Kundenbelege von eigenen Annahmen.
- Die fachlichen, technischen und wirtschaftlichen Risiken haben konkrete Verantwortliche.
- Der Champion kann den Nutzen intern in eigenen Worten erklären.
- Der nächste Schritt prüft eine offene Entscheidung.
- Der Forecast basiert nicht nur auf positiver Stimmung und Verkäuferaktivität.
Wenn mehrere Punkte offen bleiben, ist die Opportunity nicht automatisch schlecht. Sie ist nur noch nicht so weit, wie ihr CRM Stadium vielleicht vermuten lässt. Genau dort lohnt ein ehrliches Deal Review.
FAQ
Häufige Fragen zum B2B Kaufprozess
Was ist ein B2B Kaufprozess?
Der B2B Kaufprozess umfasst die Schritte, mit denen ein Unternehmen ein Problem einordnet, Anforderungen festlegt, Anbieter recherchiert, Lösungen bewertet, intern Zustimmung organisiert und eine Beschaffung abschließt. Er beginnt häufig vor dem ersten sichtbaren Kontakt mit einem Anbieter.
Wann kontaktieren B2B Käufer den Vertrieb?
Das hängt stark von Produkt, Risiko, Preis und Markt ab. Die hier eingeordneten 6sense Studien zu größeren B2B Käufen verorten den ersten direkten Kontakt häufig erst nach einem erheblichen Teil der Buyer Journey. Für kleine, einfache SaaS Käufe lassen sich diese Werte nicht ungeprüft übertragen.
Wie verändert KI den B2B Kaufprozess?
KI kann Recherche, Vergleiche, Kriterienlisten und erste Shortlists beschleunigen. Sie erhöht damit die Menge der verfügbaren Information, löst aber weder Fragen zu Verlässlichkeit noch interne Abstimmung, Risiko, Budget und Umsetzung.
Was ist eine Vendor Shortlist?
Eine Vendor Shortlist ist die begrenzte Auswahl von Anbietern, die ein Buying Committee ernsthaft prüfen möchte. Häufig ist diese Liste bereits priorisiert, bevor die ersten Gespräche mit Sales stattfinden.
Was bedeutet Buyer Enablement?
Buyer Enablement bedeutet, dem Kaufteam die Informationen und Werkzeuge zu geben, mit denen es eine Entscheidung selbstständig prüfen und intern vertreten kann. Dazu können Business Case, Sicherheitsunterlagen, Implementierungsplan, Referenzen und eine klare Zusammenfassung gehören.
Ist ein B2B Deal beim ersten Sales Call schon entschieden?
Nicht zwingend. Eine Vorauswahl oder ein Favorit ist keine Unterschrift. Anforderungen können unvollständig sein, interne Risiken können auftauchen und Käufer können ihre Präferenz ändern. Der Verkäufer sollte deshalb erkennen, was bereits feststeht und was noch wirklich offen ist.
Fazit
Sales kommt später in die Recherche, aber nicht zu spät für die Entscheidung
KI macht Informationen schneller verfügbar und kann die erste Shortlist mitprägen. Käufer vergleichen Anbieter, formulieren Kriterien und bilden Präferenzen, bevor im CRM eine Opportunity entsteht.
Das nimmt Sales nicht die Relevanz. Es verändert, wo diese Relevanz entsteht. Ein Verkäufer muss nicht mehr jede Produktinformation persönlich liefern. Er muss verstehen, welche Vorentscheidung bereits getroffen wurde, welche Annahme noch falsch sein könnte und welches Risiko das Buying Committee noch nicht aufgelöst hat.
Der erste Sales Call ist deshalb weder bloße Informationsübergabe noch reine Bestätigung eines bereits feststehenden Gewinners. Er ist der Übergang von Recherche zu belastbarer Validierung.
Wer dort nur pitcht, erfährt wenig über den wirklichen Kaufprozess. Wer nur Fragen abhakt, schafft noch keine Entscheidungssicherheit. Guter Vertrieb verbindet beides: Er prüft die Logik der Auswahl und liefert genau die Belege, die der Kunde für seinen nächsten internen Schritt benötigt.
Ist unser Deal wirklich offen oder validiert der Kunde gerade nur noch eine Vorentscheidung?
Quellen und Einordnung
Die verwendeten Buyer Studien
- G2 2026 Buyer Behavior Report Mehr als 1.000 B2B Softwarekäufer, globale Erhebung im Juni 2026 sowie 55 qualitative Interviews.
- 6sense B2B Buyer Experience Report 2025 Globale Hauptstichprobe mit 3.744 Käufern und ergänzende Befragung mit 766 Käufern.
- 6sense European B2B Buyer Experience Report 2024 674 europäische Käufer, darunter 108 aus Deutschland; durchschnittlich große Beschaffungen.
- Gartner Survey zu KI und B2B Kaufentscheidungen 2026 645 B2B Käufer, befragt von August bis September 2025.
- TrustRadius: Bridging the Trust Gap 2025 2.058 verifizierte Technologiekäufer und 490 Technologieanbieter.
Stand: 10. August 2026. Die Studien untersuchen unterschiedliche Märkte, Dealgrößen und Stichproben. Ihre Werte werden deshalb als Orientierung eingeordnet und nicht als universelle Benchmark für jeden SaaS Verkaufsprozess verwendet.
